Was ist HBO? PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Busch   
Mittwoch, 04. Juni 2008 um 19:25

... was ist die hyperbare Sauerstofftherapie HBO?

HBO bedeutet "Hyperbare Oxygenation" und ist die in der Medizin übliche Abkürzung für diese Therapieform. Das Wort "hyperbar" ist eine aus dem Griechischen stammende Wortzusammensetzung. Frei übersetzt bedeutet es "Überdruck". Bei der Behandlung wird die Sauerstoffmenge, die im menschlichen Blut und in den Geweben physikalisch gelöst vorkommt, um ein Vielfaches erhöht.

... handelt es sich dabei um eine neue Therapieform?

Der Einsatz von Überdruck ist im Bereich der Taucherei uralt. Schon vor mehreren hundert Jahren setzte man Taucherglocken, in denen beim Tauchen ein Überdruck herrschte, bei Schiffsbergungen ein. Im 19. Jahrhundert wurde die Druckkammertherapie erstmals zur Behandlung von Taucherunfällen eingesetzt. Um 1834 erfolgte die erste Behandlung bei einem Luftdruck von 3 Atmosphären in einer Druckkammer. Die Überdrucktherapie wurde ständig verbessert, spätestens seit 1907 wurde zur Atmung in der Druckkammer reiner Sauerstoff eingesetzt. Die moderne Sauerstoff-Überdruckbehandlung (HBO) hat ihren Ursprung in der fünfziger Jahren dieses Jahrhunderts in Holland. Hier setzten Chirurgen die HBO-Therapie bei Operationen am offenen Herzen ein. Dank der schnellen Entwicklung der Herz-Lungen-Maschinen wurde die HBO bei solchen Operationen mit der Zeit überflüssig. Inzwischen bemerkte man aber eine Vielzahl anderer positiver Wirkungen auf den menschlichen Organismus und intensivierte hier die medizinische Forschung.

... wie kommt der Sauerstoff ins Blut?

Der in der Druckkammer bei Überdruck eingeatmete Sauerstoff wird in der Lunge vom Blut aufgenommen. Da die roten Blutkörperchen - das eigentliche Transportmittel für den Sauerstoff - schon bei normaler Luftatmung nahezu vollständig mit Sauerstoff beladen sind, können sie kaum mehr aufnehmen. Der zusätzliche Sauerstoff muß anders zu den Körperzellen transportiert werden:
Durch den erhöhten Druck in den Lungen wird der Sauerstoff auch frei, also ohne Bindung an die roten Blutkörperchen, im Blut gelöst. Man kann diesen Vorgang mit der unter Druck im Sekt gelösten Kohlensäure vergleichen. Nach dem Öffnen der Sektflasche perlt die Kohlensäure aus, da bei atmosphärischem Luftdruck nur sehr wenig Kohlensäure im Sekt gelöst werden kann. Durch den Druck kann das Blut bei der HBO-Therapie also ein Vielfaches an Sauerstoff transportieren. Dadurch werden auch jene Körpergewebe ausreichend versorgen, die wegen ihrer Lage am Endpunkt der Körperdurchblutung normalerweise nur sehr wenig Sauerstoff erhalten. Dieser Effekt ist nur mit der Atmung von Sauerstoff in einer Druckkammer zu erreichen; die Sauerstoffatmung bei normalem Luftdruck ist im Vergleich dazu kaum wirksam.

... was bewirkt die HBO-THerapie im Körper?

Während der HBO-Therapie ist die Menge des gelösten Sauerstoffs im Blut außerordentlich hoch und führt deshalb bei den Patienten zu einer Fülle von günstigen Therapieeffekten:

  • Im Vergleich zur Atmung von normaler, atmosphärischer Luft löst sich während der HBO- Therapie im Blut die ca. 20-fache Menge Sauerstoff
  • Dieser Sauerstoff kann während der HBO-Therapie um ein Vielfaches tiefer in die Gewebe eindringen, als unter Normalbedingungen. Er kann so Körperzellen erreichen und am Leben erhalten, deren Versorgung mit Sauerstoff vermindert oder bedroht ist - zum Beispiel bei Durchblutungsstörungen oder Gewebeverletzungen.
  • Spezielle Zellen für den Aufbau von neuem Bindegewebe oder Knochen benötigen zur Reparatur des Wundbereichs mehr Sauerstoff als normale Körperzellen. Kann eine Mindestmenge Sauerstoff nicht geliefert werden, z.B. weil die Blutgefäße unterbrochen, verengt oder verstopft sind, kommt es zu Wundheilungsstörungen - so zum Beispiel zu "offenen Beinen" bei Zuckerkranken. Die Zellen für den Gewebeaufbau werden durch die HBO-Therapie in den Geweben aktiviert und können ihre Aufgaben wieder optimal erfüllen - die Wunde heilt.
  • Im Rahmen der Wundheilung müssen zahlreiche kleine Blutgefäße neu gebildet werden. Dies ist jedoch nur möglich, wenn sich zuvor neues Gewebe im Wundbereich gebildet hat, in dem die Blutgefäße wachsen können. Fehlt diese Voraussetzung, so kann die Wunde nicht heilen. Durch die verstärkte Gewebeneubildung während der HBO wird also die Neubildung von Blutgefäßen gefördert - die Wunden bleiben auch nach der HBO-Therapie verschlossen, da ihre Blut- und Sauerstoff-Versorgung wieder hergestellt ist.
  • Die körpereigenen, keimtötenden Freßzellen, eine Sonderform der weißen Blutkörperchen, verbrauchen bei ihrer Tätigkeit sehr viel Sauerstoff. In Geweben mit schlechter Sauerstoffversorgung können sie daher nicht aktiv werden - die Wunde entzündet sich. Die HBO-Therapie führt in diesen Gebieten zu einer Normalisierung der Freßzellfunktion sowie zu einer verbesserten Keimabwehr und ermöglicht so die Wundheilung.
  • Der Sauerstoff wirkt bei einigen seltenen, sehr schweren Infektionen (wie z.B. bei Gasbrand) direkt keimtötend und ist dann das einzige Mittel, um die von den Keimen freigesetzten, tödlich wirkenden Giftstoffe zu bekämpfen.

Auf akute oder chronische Durchblutungsstörungen reagieren Körpergewebe mit einer Schwellung durch Flüssigkeitseinlagerungen (Ödem). Diese Schwellung kann umliegende Gefäße (zuführende Arterien und abführende Venen) abdrücken und so zur weiteren Verschlechterung der Durchblutung führen. Die HBO-Therapie behebt den Sauerstoffmangel - das Gewebeödem kann wirkungsvoll verkleinert und begrenzt werden.

Aktualisiert ( Mittwoch, 04. Juni 2008 um 19:59 )