Behandlungen / Indikationen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Ralf Busch   
Sonntag, 01. Juni 2008 um 17:02

.. die HBO-Therapie und ihre akzeptieren Indikationen

  • Schlecht heilende Wunden und "offene Beine" z.B. bei Zuckerkrankheit und bei artieller Durchblutungsstörung
  • Innenohrerkrankungen z.B. "Hörsturz", "Lärmtrauma" und "Knalltrauma" mit und ohne "Tinnitus" (Ohrgeräusche), wenn akut
  • Verbrennung / Verbrennungskrankheit z.B. im Gesichts- / Handbereich, bei Verbrennungen von über 20% der Körperfläche
  • Knochen- und Knochenmarkentzündungen (Osteitis und Osteomyelitis), wenn erfolglos behandelt
  • Bestrahlungsschäden mit Gewebsuntergang von Haut, Weichteilgewebe oder Knochen
  • Haut- u. Muskelverpflanzung mit Gefahr des Gewebsuntergangs
  • Schwere Knochenbrüche mit Blutgefäß- und Gewebeverletzungen

Schlecht heilende Wunden und "offene Beine"

Zahlreiche Faktoren können die kleinen und großen Blutgefäße schädigen und verursachen so eine Mangeldurchblutung des entsprechenden Gewebes. Die kleinste Verletzung in dem schlecht durchbluteten Körperabschnitt kann dann zu einer nicht mehr heilenden Wunde führen.Am bekanntesten sind hier die "offenen Beine" - Unterschenkelgeschwüre (Geschwür: "Ulkus") - die bei Zuckerkrankheit oder arterieller Durchblutungsstörung auftreten können. Wenn sich solche schlecht heilenden Wunden durch die Standardtherapie nicht oder nur unzureichend verschließen lassen, kann die zusätzlich durchgeführte HBO-Therapie beachtliche Erfolge erzielen: Über die Steigerung des Sauerstoffgehaltes in der Wunde kommt es zu einer Aktivierung der Reparaturzellen. Neues Bindegewebe und neues Kollagen werden gebildet, in welches neue Blutgefäße einwachsen, die das Wundgebiet nach und nach wieder mit der benötigten Menge Sauerstoff versorgen. Das Geschwür wird kleiner und flacher und heilt in vielen Fällen vollständig ab. Sind bei fortgeschrittener Erkrankung die Zehen oder der Fuß betroffen, lassen sich in Zusammenarbeit mit den behandelnden Ärzten im Einzelfall Amputationen vermeiden oder begrenzen.


Innenohrerkrankungen, wenn akut

Seit über 20 Jahren und nach umfangreichen Forschungen insbesondere der Universität München ist bekannt, daß nach intensiven Lärmbelastungen der Sauerstoffgehalt der Innenohrflüssigkeit stark abnimmt. Diese Flüssigkeit (Lymphe) ist zuständig für die Versorgung der Sinneszellen mit Nährstoffen - vor allem mit Sauerstoff. Man vermutet, daß einer Vielzahl der plötzlich auftretenden Hörminderungen auf Sauerstoffmangel in den empfindlichen Hörzellen zurückzuführen sind, und daß deshalb im Bereich dieser Zellen keine "Höreindrücke" an das Gehirn weitergeleitet werden. Es kommt so zum sogenannten Hörsturz.

Wenn durch die Sauerstoff-Unterversorgung der Stoffwechsel der Zellen gestört ist, kann es zu einer fehlerhaften Weitergabe von Signalen oder zu einem "Dauersignal" zum Gehirn kommen. Der Patient "hört" dann Töne, die nicht tatsächlich vorhanden sind. Diese Ohrgeräusche, vergleichbar einer elektrischen Kurzschlußverbindung, nennt man Tinnitus. Bewiesen ist heute, daß man unter hyperbarer Sauerstoffatmung den Sauerstoffgehalte der Innenohrflüssigkeit um fast 400 % erhöhen kann. Die oben beschriebenen Vorgänge sind logische, bisher allerdings zum Teil nur theoretische Überlegungen der Wissenschaftler.

Eine endgültige Klärung der Krankheitsursachen steht noch aus.Wichtig für den Heilungserfolg ist der Zeitraum bis zum Beginn der Behandlung. Patienten nach Lärm- und Knallschäden sollten in den ersten 48 Stunden nach dem Ereignis behandelt werden. Patienten mit plötzlich aufgetretenen Hörminderungen (Hörsturz) und Ohrgeräuschen sollten schnellstmöglich und umfassend untersucht werden, um andere Ursachen für die Symptome auszuschließen ( Nerven- und Gehirn-Erkrankungen, Halswirbelsäulen-Probleme, Unterkiefer-Fehlstellungen, Schilddrüsen-Fehlfunktionen, Störungen von Blutdruck und Blutzusammensetzung sowie Durchblutungsstörungen in den Halsgefäßen).

Wenn eine umgehend eingeleitete Infusionstherapie mit ggf. zusätzlich verabreichten Medikamenten keine ausreichende Besserung erreichen kann, sollte möglichst noch innerhalb der ersten zwei bis drei Wochen mit der HBO-Therapie begonnen werden. Die Druckkammertherapie kann aber auch als Ersttherapie anstelle der Infusionstherapie eingesetzt werden.

Grundsätzlich gilt: Für eine erfolgreiche Behandlung sollte möglichst früh mit der Therapie begonnen werden. Nach etwa drei bis sechs Monaten sind die Aussichten auf Erfolg deutlich geringer als in den ersten vier Wochen.


Verbrennung / Verbrennungskrankheit

Je nach Schwere einer Verbrennung kommt es entweder zu einer Rötung der Haut, zurBlasenbildung der Hautoberfläche oder zu Verkochungen. Die unterschiedlichen Verletzungen der Hautoberflächen und der darunter liegenden Gewebeschichten heilen insbesondere nach Verbrennungen sehr schlecht. Es kommt oft zu nachfolgenden Infektionen und langwierigen Heilungsverläufen. Ausgedehnte Narbenflächen sind häufig, stören kosmetisch oder behindern zum Beispiel die einwandfreie Greiffunktion der Hand. Hinzu kommen bei schweren Verbrennungen Gewebeschwellungen (Ödeme) in den betroffenen Körperpartien. Diese entsteht durch "Undichtigkeiten" der Blutgefäße, aus denen Blutflüssigkeit in das Gewebe austritt. Die entstehende Schwellung drückt dann wiederum auf die Blutgefäße und verhindert die dringend notwendige Versorgung der geschädigten Region mit Nährstoffen und Sauerstoff. Durch die hyperbare Sauerstofftherapie werden die Blutgefäße verengt (Vasokonstriktion). Sie werden so abgedichtet, daß keine weitere Blutflüssigkeit mehr austreten kann. Die Gewebeschwellung läßt nach, die Versorgung der geschädigten Region wird verbessert. Hinzu kommt die noch nicht vollständig geklärte Erfahrung, daß nach HBO-Therapie bei Verbrennungen die Narbenbildung deutlich verringert ist.


Knochen- und Knochenmarkentzündungen

Liegt eine nicht heilende (chronische) Entzündung des Knochens (Osteitis) oder des Knochenmarks (Osteomyelitis) vor, so ist meist eine mangelhafte Durchblutung des Knochengewebes eine der Ursachen. Durch die Unterversorgung mit Blutgefäßen erhalten die Knochenzellen nicht die ausreichende Menge an Nährstoffen und Sauerstoff zum Neuaufbau des Knochens. Die Freßzellen können keine Keime abtöten, und die als Ergänzung zur chirurgischen Maßnahmen verabreichten Antibiotika erreichen nicht den Ort der Entzündung - die Therapie bleibt erfolglos.

Seit langem schon wird in solchen Fällen die hyperbare Sauerstofftherapie in enger Zusammenarbeit mit den auch weiterhin behandelnden Chirurgen eingesetzt. Die Aktivierung der Knochenaufbauzellen ist bewiesen. Über die Förderung der Gefäßbildung wird der Knochen dauerhaft ausreichend versorgt. Zusätzlich wird die Wirkung einiger Antibiotika um ein Vielfaches erhöht, so daß Entzündung zurückgeht und der Knochen sich wieder aufbaut und stabilisiert.


Bestrahlungsschäden mit Gewebsuntergang

Muß man höhere Strahlendosen verwenden, um Krebszellen abzutöten, werden oftmals auch umliegende gesunde Zellbereiche in Mitleidenschaft gezogen. Diese können, Monate bis Jahre nach dem eigentlichen Ereignis, spontan oder bei Verletzungen zu Wunden führen, die erhebliche Heilungsprobleme besitzen. Die sogenannten Strahlengeschwüre betreffen oft Haut- oder Schleimhautbereiche, aber auch Knochen. Heilen diese Wunden unter der Standardtherapie nicht ab, so ist deren zusätzliche Behandlung mit hyperbarem Sauerstoff angezeigt. Für die Behandlung von Strahlengeschwüren mit HBO nach Bestrahlung im Kiefer- oder Gesichtsbereich gibt es international anerkannte Richtlinien. Bei Bestrahlung im Unterleib und nachfolgenden, seltenen, schwer stillbaren Blutungen der Blase setzt sich die zusätzliche Behandlung mit hyperbarem Sauerstoff zur Zeit international durch. Behandlungen von Strahlennebenwirkungen im gynäkologischen Bereich zeigen ebenfalls gut Wirkungen, sind aber wie die Schäden am Darm und am Nervensystems noch im Forschungsstadium.


Haut- Muskelverpflanzung

Nach größeren Verletzungen oder besonderen operativen Eingriffen können Haut- oder Muskelverpflanzungen (Transplantationen) zum Verschluß der Wunden nötig werden. Die entnommenen Haut- oder Muskelpartien müssen so herausgetrennt werden, daß sie möglichst ohne Komplikationen auf der zu bedeckenden Stelle am Körper wieder einheilen. Sind diese Stellen sehr groß und können sie aus chirurgischen Gründen nicht an die lokale Blutversorgung angeschlossen werden, so kommt es in einigen Fällen zu teilweises oder vollständiges Absterben oder zur Abstoßung der Haut- oder Muskelverpflanzungen.

Unter der hyperbaren Sauerstofftherapie können kritische Gewebetransplantate durch den hohen Sauerstoffanteil in den umgebenden Geweben länger überleben. So erhält der Körper mehr Zeit, eigene Blutgefäße in die verpflanzten Gewebestellen einwachsen zu lassen. Dieser Prozeß der Gefäßneubildung wird zusätzlich von der HBO-Therapie unterstützt.


Schwere Knochenbrüche mit Blutgefäß- und Gewebeverletzungen

Bei schwereren Unfällen kann es, oft in Folge komplizierter Knochenbrüche, zur Zerstörung von großen Muskel- und Gewebepartien kommen. Dadurch sind häufig auch die versorgenden Blutgefäße (Arterien) und die abtransportierenden Gefäße (Venen) zerstört. Durch die fehlende Versorgung mit Nährstoffen und Sauerstoff kommt es zur Mangelversorgung im Wundbereich. Durch Blutansammlungen (Hämatome) und Gewebeschwellungen (Ödeme) und dem daraus resultierenden Druck auf die restlichen, noch funktionsfähigen Blutgefäße wird die Versorgung zusätzlich beeinträchtigt. Die Zerstörung der Venen führt darüber hinaus zu einer Verschlechterung des Abtransportes verbrauchter Stoffwechselprodukte und fördert so die Gewebeschwellung sowie die mangelhafte Versorgung im Wundgebiet.

Durch die hyperbare Sauerstofftherapie und ihre gefäßzusammenziehende Wirkung (Vasokonstriktion) kommt es zu einem deutlichen Rückgang der Gewebeschwellungen. Darüber hinaus können einige mangelversorgte Wundabschnitte durch den sehr stark erhöhten Sauerstoffanteil auch ohne vollständig intaktes Gefäßsystem so versorgt werden, daß ein Überleben gesichert wird. Gewebsuntergänge (Nekrosen) werden deutlich seltener und Amputationen können eventuell vermieden werden.


Aktualisiert ( Mittwoch, 04. Juni 2008 um 20:13 )